Watzmann – kleine Ostwand (Wiederroute)

Veröffentlicht von am Sep 14, 2016 in Berchtesgadener Alpen, Bergtouren | 3 Kommentare
Watzmann – kleine Ostwand (Wiederroute)

Das Wetter ist gut und eigentlich zieht es uns nocheinmal auf Hochtour, aber irgendwie sind wir automüde. Zu viele Kilometer haben wir diesen Sommer schon auf den Autobahnen Europas verbracht und so entschließen wir uns auf der Passauer Herbstdult dazu – wer hier Kausalität vermutet, irrt – einen Abstecher ins Berchtesgadener Land zu wagen, genauer haben wir die Wiederroute auf die Watzmann Mittelspitze im Auge.

Kurz vor 6 starten wir am Parkplatz Hammerstiel und machen uns auf den Weg via Kühroint ins Watzmannkar. Knapp 10km und 1400hm sind es bis zum Einstieg der kleinen Watzmann Ostwand, wie die Wiederroute auch genannt wird. Eine abwechslungsreiche Strecke: anfangs noch der Forststraße folgend an der Schappachalm vorbei, geht es dann ab der Kühroint Alm ein kurzes Stück durch den Wald, ehe man links ins Watzmannkar abbiegt und mit jedem gewonnenen Höhenmeter mehr und mehr in eine fantastische Welt aus schroffem Kalk und steilen Wänden eintaucht. Wir halten uns leicht rechts und steuern den östlichen Rand des Watzmanngletschers an, beziehungsweise das, was von einem Gletscher noch übrig ist. Wir tun gut daran den Gletscher relativ weit oben zu queren, sparen uns so mühsame Meter über den Schuttkegel zum Einstieg. 3 Stunden 30 Minuten bis hier.

Der Einstieg ist mit Übersichtsfotos aus den gängigen Informationsportalen im Netz relativ einfach zu finden. Die ersten Meter fühlen sich noch etwas nach Kaltstart an, aber bis zum Ende der teils brüchigen Rinne wirds dann auch mit der Motorik langsam. Wetter, Landschaft und Begleitung lassen den Tag sowieso schon jetzt zu etwas Besonderem werden. Der Weg zum Gipfel ergibt sich relativ logisch und ist zudem gut mit Steinmännern und alten roten Punktmarkierungen versehen. Relativ bald steht man bereits am Beginn des Wiederbandes. Breit und lang. Am Ende des Bandes, beim sog. Bandwächter, hat man die Hälfte der verbleibenden Höhenmeter ab dem Einstieg bereits hinter sich. Schon bei der Vorbereitung auf die Tour sind uns die beschriebenen vier Stunden für 600hm Kletterei in diesem Gelände relativ lange vorgekommen. Die Uhr bestätigt dies, denn das Zeitgefühl geht bei diesem kurzweiligen und sehr abwechslungsreichem Anstieg ohnehin verloren. Gehgelände und zum Teil recht nette Kletterstellen wechseln sich ab, ehe man direkt am Gipfel der Mittelspitze aussteigt und für fragende Blicke sorgt. 6 Stunden bis hier.

An der Mittelspitze dann die Qual der Wahl. Links oder rechts. Wimbachgries oder Watzmannhaus. Nicht nur, weil auf dem Watzmannhaus das ein oder andere kühle Getränk und ein Kaiserschmarren warten, entscheiden wir uns für den Abstieg zum Watzmannhaus. Der Ausgangspunkt lässt sich auch deutlich besser erreichen als über das Wimbachgries. Es ist auch kürzer. Der Weg auf das Hocheck verfliegt förmlich, während sich der Abstieg vom Hocheck zum Watzmannhaus dann gefühlt etwas zieht. “Ein Spezi, ein Bergsteigergetränk und an gloan Kaiserschmarrn, bitte.” 8 Stunden bis hier.

Nach der langen Pause am Watzmanhaus starten wir die letzte Etappe unserer Tour und steigen zur Wimbachbrücke ab.  Bei der Stubenalm biegen wir dann rechts ab und kommen so zurück zum Ausgangspunkt. 10 Stunden bis hier (ohne Pause auf dem Watzmannhaus).

Alles in Allem ein Traumtag, welchen wir bei einem Bad in der Königsseeache ausklingen haben lassen. Seil und Gurt und damit verbunden die mobilen Sicherungsgeräte hätten wir uns getrost schenken können. Die 3er Stellen sind meist nur ganz kurz und eher weniger ausgesetzt. Wer sich nicht ganz sicher ist, nimmt doch lieber ein Seil mit. Sicher ist sicher ;)

Falls ihr den Watzmann auch so gern mögt wie ich, dann könnte euch auch das interessieren:

Watzmannüberschreitung

Watzmann Ostwand – Berchtesgadener Weg

3 Kommentare

  1. Rebecca
    16. September 2016

    Sehr cool! Diese Route steht auch bei mir weit oben auf der To-Do-Liste.

    Viele Grüße

    Rebecca

    Reply
    • Carsten Becker
      16. September 2016

      da wünsch ich dir jetzt schon viel Spaß! in erster linie landschaftlich ein traum…

      Reply
      • Rebecca
        18. September 2016

        Danke, das mit der Landschaft kann ich mir vorstellen!

        Reply

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