Watzmann Ostwand, Berchtesgadener Weg (III)

Veröffentlicht von am Okt 28, 2014 in Berchtesgadener Alpen, Klettertouren | 2 Kommentare
Watzmann Ostwand, Berchtesgadener Weg (III)

Watzmann Ostwand: Die längste Wand der Ostalpen und eine der gefährlichsten Wände der Ostalpen. Das sind Superlative, die einem immer wieder zu Ohren kommen, wenn man sich mit ihr – DER Ostwand – beschäftigt. 1800m Wandhöhe schüchtern ein, daher hat’s lang gedauert, bis wir endlich eingestiegen sind.

(c) Gerald Radinger

Und das Licht leuchte uns… St. Bartholomä und die Ostwand.

Eigentlich war eher eine Hochtour geplant, das Wetter im letzten Moment dann doch irgendwie nur Sonntags für größere Unternehmungen brauchbar. “Samstag Nachmittag nach St. Bartholomä und Sonntag durch die Ostwand, was sagst?”, war meine Reaktion auf die Wetteränderung. “Geil wad’s ja scho!”, war daraufhin die Reaktion von Gerald. Gesagt, getan. Wir trafen uns Samstag gegen 14.00 Uhr in der Ramsau und fuhren mit einem Auto weiter zum Königssee. So schön und kitschig es rund um den Königssee ist, so voll ist es auch mit Touristen aus aller Herren Länder. Egal! Das is wohl der Preis, den man zahlen muss sofern man ohne großartige Betätigung der Fußmaschine in St. Bartholomä ankommen will. Mit dem Schiff geht es also in Richtung Watzmann Ostwand. Die Fahrzeit von 30 Minuten werden einem von den netten Kapitänen am Schiff verkürzt. Immer wieder die gleichen, doofen Sprüche…lachen mussten wir aber irgendwie doch bei jedem einzelnen Spruch. Die Fahrt ist also recht kurzweilig und nachdem uns noch gekonnt ein kleines Trinkgeld abgeluchst wurde, haben wir wieder festen Boden unter uns. Am Kücheneingang sitzend, hebt sich eine Personengruppe von den restlichen Biergartengästen ab. Nicht ganz so ausgeprägt, wie man es sich während dem Studium alter Alpinliteratur ausmalen mag, aber doch irgendwie anders als der Rest: Bergsteiger. Wir gesellen uns dazu und während wir unsere preislich gesalzene Touristenplatte vertilgen, kommt auch schon der Kellner mit der Kasse und dem Hüttenbuch vom Ostwandlager. Wir machen uns als eine der ersten Seilschaften auf und sichern uns unsere Lagerplätze. Komfortabel liegen wir zu zweit auf 3 Matratzen und blicken der bevorstehenden Nacht entspannt entgegen. Doch bevor es Schlafenszeit ist, kommen wir zum schönsten Teil der Tour: Um 18.00 Uhr verlässt das letzte Schiff St. Bartholomä und es kehrt Ruhe auf der Insel ein. Es ist eine ganz eigene Stimmung. Der ruhige See, Sonnenuntergang, ein klein wenig Anspannung vor der Tour. Die Ostwandaspiranten verteilen sich recht schön über die ganze Insel und man findet genügend ruhige Plätze um einen schönen Abend zu genießen. Als es langsam zu Dämmern beginnt, treffen wir die letzten Vorbereitungen für den nächsten Tag, besuchen noch kurz das Infogebäude des Nationalparks Berchtesgaden und verschwinden dann unter der Bettdecke – jeder unter seiner. Wir studieren ein letztes Mal den Routenverlauf im Rasp-Führer. Durchschlafen kann ich zwar nicht, trotzdem ist die Nacht erholsam.

(c) Gerald Radinger

Der wohl charmanteste “Zustieg”, den man sich vorstellen kann :)

(c) Carsten Becker

Es wird ruhig auf der Insel. Das letzte Schiff verlässt St. Bartholomä.

(c) Gerald Radinger

Rumhängen am Königssee.

(c) Carsten Becker

Eingeloggt und im Voraus bezahlt. Der Schlüssel wird der Gruppe wieder entnommen, die letzten dürften ihn am nächsten Morgen in die Ostwand mitgenommen haben.

(c) Carsten Becker

Das Ostwandlager der DAV Sektion Berchtesgaden.

(c) Carsten Becker

Nächtliches Staunen im Nationalparkhaus.

Der Wecker ist auf 5 Uhr gestellt, die Ersten verlassen jedoch schon gegen 4.15 Uhr das Lager. Wir versuchen noch etwas zu schlafen, was aber nicht wirklich gelingen will. Also packen wir zusammen, essen eine Kleinigkeit, verlassen dann gegen 5 Uhr das Lager und starten bewusst langsam gehend in Richtung Eiskapelle. Dort angekommen geht es schnurstracks über den Rücken links der Eiskapelle entlang, welcher in eine Rinne mündet. Der Ausstieg nach rechts aus der Rinne gelingt uns auf Anhieb. Der weitere Weg bis ins Schuttkar ist dann irgendwie selbsterklärend, man kann nicht wirklich aus. Im Schuttkar angekommen dann kollektives Pausieren aller Ostwandaspiranten: durchschnaufen, orientieren, trinken, etwas taktieren und abwarten.

(c) Gerald Radinger

Early Morning Sign.

(c) Gerald Radinger

Die Ostwand noch vor Erreichen des Schuttkars. In der Bildmitte: das Schöllhornkar.

(c) Gerald Radinger

Sunriseparty? Stimmung kommt im Schuttkar auf.

(c) Carsten Becker

Die letzten Meter im Schutt und dann geht es los.

 

Weiter oben sieht man eine Seilschaft, die einen sehr direkten Weg zu den Wasserfallplatten gewählt hat und sich in dieser Variante ziemlich abmüht. Wir entscheiden uns das Ganze etwas tiefer anzugehen und liegen damit genau richtig. Das freut auch alle, die mit uns im Schuttkar pausiert haben. Eine Schlange von fünf oder sechs Seilschaften zieht sich jetzt auf engem Raum bis zur ersten Schlüsselstelle hinter uns her. Das Gelände wird zum ersten Mal so steil, dass man wirklich Klettern muss und gleich von Beginn an ist eines klar: Fehler muss man mit hoher Wahrscheinlichkeit teuer bezahlen. Die Kletterei selbst ist unschwierig und ich fühle mich ziemlich wohl in diesem Gelände. Nicht so wohl hingegen fühlt sich eine Dame hinter uns, nachdem ihr ein Felsbrocken entgegenkommt, der sicher die Abmessungen eines Schuhkartons hat. Zum Glück ist alles gut gegangen, aber irgendwie sind dann doch zu viele Menschen auf einem Fleck.

(c) Carsten Becker

Am Beginn der Querung zu den Wasserfallplatten. Tief unten St. Bartolomä im Nebel.

(c) Carsten Becker

Die erste kleinen Platten sind zu bewältigen.

(c) Carsten Becker

Die Wasserfallplatten bilden die Schlüsselstelle im unteren Bereich.

(c) Carsten Becker

Mensch und Natur. Unterschiedliche Dimensionen.

(c) Gerald Radinger

Am Beginn der Gipfelschlucht rasten wir an diesem schönen Balkon.

(c) Gerald Radinger

Schattiger Platz an diesem heißen Vormittag.

An den Wasserfallplatten zücken wir aus diesem Grund dann kurz den Strick und sichern uns eine Seillänge bis zum Ende der Platte. Ab hier verteilt sich der bergsteigende Mob etwas und wir klettern vorerst relativ einsam weiter, dem Gipfel entgegen. Das Übersichtsbild aus dem Rasp-Führer und das Topo mit den Höhenangaben von Bergsteigen.com kombinierend, gelingt uns die Navigation durch die Wand eigentlich relativ gut. Das Gelände wechselt von Gehpassagen zu ansprechender Kletterei und der Fels ist die meiste Zeit über relativ kompakt, das Klettern macht ziemlichen Spaß. Nach der Rampe ist der steilste Teil der Ostwand bewältigt und im Schatten eines großen Felsbrocken werden die Speicher gefüllt. Irgendwie merkt man dann doch, dass man schon ein paar Höhenmeter in den Beinen hat. Es geht erst weiter als die nächsten Seilschaften nach guten 20 Minuten zu uns aufschließen. Der nun folgende Teil ist die Gipfelschlucht, der letzte Anstieg vor dem organgenen Biwak. Ab und zu weisen dunkelgrüne Punkte den richtigen Weg, die Wegfindung glückt aber auch ohne. Kurz geht es etwas unangenehm durch eine brüchige Rinne, danach sind es nur noch 5 Minuten zum Biwak, wo wir erneut eine längere Pause einlegen und Kräfte für das letzte Stück mobilisieren. Von den Kletterschwierigkeiten ist es hier am anspruchsvollsten, immer wieder versperren kleinere Aufschwünge den einfachen Weiterweg, wobei dieser aber meist nach einmal anreißen fortgesetzt werden kann. Ein klassisches Boulderproblem also. Nichts weiter als ein Boulderproblem ist letzten Endes auch das 8m lange Wandl kurz vorm Ausstieg. Ein weiter Zug und man ist – eventuell unter Zuhilfenahme der angebrachten Drahtschlinge – über die schwierigste und zugleich letzte schwierige Stelle in der Ostwand. Der Verbindungsgrat zwischen Mittel- und Südspitze ist schon länger sichtbar, nach wenigen Minuten steigt man am Grat aus und folgt ihm die letzten Höhenmeter zum Gipfel der Südspitze. Geschafft! Endlich!

(c) Gerald Radinger

Kletterei in der Gipfelschlucht.

(c) Carsten Becker

Schnee. Allmählich nähern wir uns der Biwakschachtel.

(c) Gerald Radinger

Gehgelände kurz vor der Biwakschachtel.

(c) Gerald Radinger

Biwakschachtel unter dem massiven Pfeiler. Rechts davon geht es weiter und dann nach links in Richtung Ausstiegskamine.

Zum Abstieg hab ich mich ja bereits im letzten Artikel zur Überschreitung ausgelassen. Das erspar ich euch lieber. Nur soviel sei gesagt: Schnee gab es diesmal natürich nicht, aber irgendwann hat alles ein Ende und die Spezimass war auch dieses mal wieder ein Traum.

(c) Gerald Radinger

Vorfreude. Endlich am Gipfelgrat. Dahinter die Mittelspitze, links davon der Untersberg.

(c) Gerald Radinger

Herbstwetter deluxe.

“In luftiger Höhe”, dachten sich wir und unsere Haare.

(c) Gerald Radinger

Casi beim Fachsimpeln. Dahinter rechts: Dachstein.

(c) Gerald Radinger

Wir wandern mit der Sonne: Nun nach Südwesten ins Wimbachgries.

(c) Carsten Becker

Noch ein wenig durchhalten, bis wir unten sind.

(c) Gerald Radinger

Wir würden am liebsten die Spezimaß rufend bestellen :)

(c) Carsten Becker

Durchs Wimbach zum Auto.

Was uns geholfen hat:

  • früh und ausgeschlafen am Ostwandlager starten
  • nur das nötigste Gepäck: light & “fast” ;)
  • den Rasp-Führer studieren
  • bergsteigen.com Topo mit den Höhenangaben markanter Punkte
  • fit und gut vorbereitet in die Tour

2 Kommentare

  1. Sabrina
    28. Oktober 2014

    Hi Jungs,

    wow – liest sich genial! Gratulation! Da wären wir gerne, wie bereits öfters gesagt, auch dabei gewesen….mhmmmm immer dieser Freizeitstress! :)

    Aber Ihr geht das sicherlich noch mal mit uns, oder? :)

    LG Sabrina

    Reply
    • Carsten Becker
      28. Oktober 2014

      aber sicher geh ich des no mit euch ;)

      Reply

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