Tourenski: Movement Response

Veröffentlicht von am Nov 9, 2014 in Produkttests | Keine Kommentare
Tourenski: Movement Response

Der Movement Response. Laut Hersteller ein Ski für Fortgeschrittene. Da hätte ich mich eingeordnet und anfangs fast verzweifelt. Wieso und wie es doch zum glücklichen Ende kam, erfährst du hier.

Herstellerbeschreibung:

Der RESPONSE ist einer dieser FREETOURING Skis der neuen Generation mit modernster Geometrie. Sein Shape und die lange Light Rocker 10 Schaufel bringen viel Auftrieb im Tiefschnee und helfen, die Unebenheiten des Geländes aufzufangen. Dieser mittelbreite Tourenski ist mit einem leichten Karuba Holzkern ausgestattet und verfügt über starke mechanische Eigenschaften, welche die Torsionskräfte auffangen und ein exzellentes Leistungsniveau garantieren. Der RESPONSE eignet sich für alle Fahrer auf der Suche nach einem vielseitigen FREETOURING Ski und alle sportlichen Tourengänger, welche ein top modernes Produkt ­wollen.

Konstruktion: Holzkern mit leichtem Karbon Faser Mantel, Rocker Konstruktion vorne

Radius: 17.5 m (Modell 2014/15)

Gewicht: 1.2 kg pro Ski bei 169 cm Lange

Kosten: ca. 600 Euro

Bernadette Pree

Die Eckdaten zum Movement Response (Modell 2014).

Leicht und breit, lassen wir die Zahlen zuerst sprechen

Wer gerne einen leichten, aber doch breiten Ski fährt bemerkt bald, dass es schwer ist, die unterschiedlichen Skier miteinander zu vergleichen. Jeder Hersteller hat andere Skilängen, Taillierungen, Schaufelbreiten usw. Um das relative Gewicht, d.h. Gewicht/Oberfläche zu berechnen, gibt es im Netz hilfreiche Formeln (z.B. von Wildsnow). Allerdings sind auch die nur eine Schätzung und basieren auf den Längen- und Gewichtsangaben der Hersteller und einem Durchschnittswert für das Skiprofil (Rocker, flach, Camber) und die Maße von der Skispitze und -ende. Das Ergebnis ist daher oft unzureichend, wie z.B. beim Movement Response. Mit der Berechnung von Wildsnow erhalte ich 0.82 g/cm2, im Gegensatz zu 0.68 g/cm2 gemessen im Zuge des Skitests des norwegischen Magazins Friflyt. Dort wird der Response 2013/14 (beim heurigen Modell hat sich nur das Design geändert) auch Testsieger, obwohl er beim relativen Gewicht hinter seinem Schwester-Modell Movement Response X (0.64 g/cm2) und dem Movement Bond X (0.66 g/cm2) liegt.

Bernadette Pree

Der Anblick meiner neuen Tourenski: “soviel” Ski und trotzdem leicht!

Im Aufstieg: Top!

Leichte und gleichzeitig breite, abfahrtsorientierte Tourenski sind absolut im Trend, versprechen sie doch die „eierlegende Wollmilchsau“, d.h. leicht im Aufstieg, ohne jeglichen Kompromiss in der Abfahrt. Ich kann bestätigen: Der Movement Response macht wirklich Freude beim Aufstieg! Jedem dem das Hebelgesetz bekannt ist weiß, wie viel Unterschied ein paar Gramm weniger an den Beinen beim Aufstieg ausmachen. Für mich war es eine Umstellung, die Spur breiter anzulegen, weil der Ski im Vergleich zu meinem vorigen einfach sehr breit ist (Response: vorne 126 mm, Mitte 89mm, hinten 114 mm). Ich bin 165 cm groß und habe mich für die 169 cm langen Skier entschieden, somit sind sie um 10 cm länger als meine vorigen Skier. Der Unterschied in der Skilänge macht sich vor allem bei den Spitzkehren bemerkbar und es braucht ein bisschen Übung, um die Skier elegant im steilen Gelände und bei viel Schnee zu heben und drehen, ohne sich dabei auf die eigenen Ski zu steigen. Bei eisigen Schneeverhältnissen bewirken Harscheisen oft Abhilfe vom mühsamen Abrutschen, in meinem Falle welche von Dynafit. Dabei empfehle ich, die 100mm breiten Harscheisen zu nehmen, da 90 mm gerade passen und damit oft an den Schikanten reiben und diese abnutzen.

Bernadette Pree

Der Movement Response in der Arktis, Spitzbergen. Oben angekommen und gespannt auf die Abfahrt!

In der Abfahrt: herausfordernd und mit etwas Übung ein Hochgenuss

Meine persönliche Erfahrung zeigt, dass das geringe Gewicht vor allem bei schwierigeren Schneeverhältnissen eine Herausforderung ist. Zu Beginn hab ich viele Stürze hinnehmen müssen, weil sich der Ski wunderbar fährt, solange der Schnee und das Gelände gleichmäßig sind. Dank der Rockerkonstruktion gleitet der Schi leicht über den Schnee hinweg und allzu leicht lässt man sich von diesem unaufwendigen „cruisen“ täuschen. Bei Unebenheiten und höherem Tempo verlangt er aber sehr aktives Fahren und schnelles Reagieren vom Fahrer, weil er eben nicht „von selbst fährt“ aufgrund vom geringen Eigengewicht. Sobald es im Gelände oder in der Schneeoberfläche Unebenheiten gibt, gilt es den Ski aktiv zu steuern. Wenn man das verstanden und auch umgesetzt hat, kann man den Response so richtig genießen!

Hochtouristin hoch hinaus! Auch Springen (hier am Hochschwung, Steiermark) klappt gut mit dem Movement Response. Bei dem Bild krieg ich einfach nur Lust auf den Winter! Foto (c) Thijmen J. Piek

Die Mischung machts aus

Einen leichten Ski mit schwerer Bindung und Schuhen macht genauso wenig Sinn, wie die umgekehrte Mischung. Deswegen kombiniere ich meine Skier mit den mittelschweren Schuhen, Dynafit Mercury und einer Dynafit Bindung (Race, ja eher leicht, aber aus Budgetgründen vom alten Schi übernommen). Jedenfalls für mich macht das eine gute Kombination und ich hab jede Menge Touren bei guten wie bei schlechten Bedingungen gemacht (z.B auf Spitzbergen), hab so manchen Baum gestreift, bin über so manche Wechte gesprungen und sogar einen Freeride-Bewerb habe ich damit bestritten.

Resümée

Pro:

  • Leichtes Gewicht, ein großer Pluspunkt bei langen, ausgedehnten Touren
  • Bestens geeignet für Tourengeher, die sich beim Fahren auch ein bisschen herausfordern wollen
  • Funktioniert optimal bei kurzen und langen Schwüngen und eignet sich auch für Abfahrten im Wald und enge Rinnen
  • Ein mittelbreiter Ski und deswegen gut geeignet für Bedingungen von Pulver bis Harsch
  • Movement denkt auch an die Natur: Holzkern aus zertifizierten und nachhaltig bewirtschafteten Wäldern

Kontra:

  • Hoher Preis
  • Nach wenigen Touren blättert die Beschichtung bereits ab. Ich nicht weiß, ob dies eine Ausnahme ist oder eine bekannte Schwachstelle vom Modell. Selbst wenn es nur Kosmetik ist, sollte es bei dem Preis nicht vorkommen.
  • Die Marke wirbt intensiv mit dem markantesten Symbol für die Schweiz, nämlich dem roten Apfel (Sage von Wilhelm Tell, F. Schiller), tatsächlich wird der Ski aber in Tunesien produziert. Auf Anfrage beim Hersteller erfahren wir, dass Movement aus Kostengründen in einer eigenen Fabrik in Tunesien produziert, die Rohstoffe aber zu 90% aus Europa kommen.
Bernadette Pree

Erste Schönheitsfehler bereits nach ein paar Touren.

Bernadette Pree

Mehr Schweiz Image geht fast nicht. Der Ski ist aber 1500 km südlich vom Alpenland in Tunesien produziert worden.

Bei diesem Skikauf wollte ich weg vom klassischen, weichen, kurzen Tourenski, hin zu mehr Abfahrtsvergnügen bei gleichzeitig geringem Gewicht. Der Movement Response hat das in jeder Hinsicht erfüllt, auch wenn die Umstellung ein bisschen gedauert hat. Wer sich selbst ein bisschen herausfordern mag, dem empfehle ich diesen Ski sehr. Bei der Wahl der Skilänge ruhig mutig sein und mindestens Körpergröße  wählen, dann kann man die Gleitfähigkeiten noch besser ausnutzen. Für wenig Gewicht bekommt man sehr viel Abfahrtsspaß, wenn man sich erst mal an den Response gewöhnt hat!

Weiterer Lesestoff: So leicht wie möglich, so schwer wie nötig (K. Steinbach-Tarnutzer, 11.11. 2011, Neue Zürcher Zeitung)

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