Hochalmspitze (3360m) via Südpfeiler (V-)

Veröffentlicht von am Mai 7, 2013 in Ankogelgruppe, Hochtouren, Klettertouren | Keine Kommentare
Hochalmspitze (3360m) via Südpfeiler (V-)

Das Wetter war im September des vergangenen Jahres noch einmal perfekt, also sollte sich noch eine Tour in höheren Lagen ausgehen. Die Woche zuvor, auf der Hagener Hütte, war sie schon in Sichtweite: die Hochalmspitze (3360m). Der schöne Anblick und Erzählungen bezüglich der Tour am Südpfeiler waren mehr oder weniger Quell unserer Motivation. Schluss mit dem Gelaber… So war’s:

Wir haben die Tour auf zwei Tage aufgeteilt, also mit Zwischenstopp auf der Gießener Hütte mit ihrem auskunftsfreudigen Wirt. Der Zustieg zur Hütte dauert in etwa 1,5 Stunden und lässt sich aufgrund der Tatsache, dass es sich um einen Forstweg handelt, auch in der Dunkelheit optimal bewältigen (Na, wer ahnt den Ausgang jetzt schon?). Nach einer kräftigenden Mahlzeit ging es relativ rasch in die Horizontale, glücklicherweise in ein eigenes Lager…spät in der Saison unterwegs zu sein hat also definitiv Vorteile.

Nach dem Frühstück  ziehen wir gegen 7 Uhr den Rudolstädter Weg entlang in Richtung der Hochalmspitze und queren dann über den Gletscher zum Einstieg des Pfeilers, welcher eigentlich ab der Hütte immer im Sichtfeld ist. Vor uns befindet sich bereits eine Seilschaft und wir nutzen die Zeit um zu Essen, zu Schauen und zu Trinken, nicht aber um unser Material zu sortieren, denn südseitig ist es ja schön warm. Der Übergang von Gletscher zu Fels stellt keinerlei Probleme dar, die erste Seillänge geht gleich butterfein und der erste Stand ist schnell erreicht. Fester, warmer Fels, eine schöne Linie, abwechslungsreiche Längen: die Tour ist wirklich super und die Risse im Urgestein schreien förmlich nach mobilen Sicherungsmitteln. Das tröstet darüber hinweg, dass in der ganzen Tour weder eingerichtete Stände noch Bohrhaken angetroffen wurden, sondern lediglich 5 geschlagene Rostgurken, deren Haltekräfte man wohl besser nicht austesten sollte. Die Kletterei mündet nach der Bewältigung von Rissen, Kaminen, Platten und Verschneidungen mehr oder weniger direkt am Gipfelkreuz der Hochalmspitze. Ein kleiner Verfranser und 2 oder 3 verkürzte Längen auf Grund der Seilreibung trugen dazu bei, dass wir wohl etwas länger gebraucht haben als der Durchschnitt.  Beim Abstieg haben wir uns für den Detmolder Grat entschieden. In mancher Literatur als Klettersteig (Grad C) angeführt, fordert er aufgrund des Zustiegs, der Höhe und eventueller Vereisung aber eher den ganzen Alpinist. In der Dämmerung treffen wir ausgetrocknet und müde, aber dennoch zufrieden bei der Hütte ein und genehmigen uns jeweils zwei Skiwasser auf Ex um den weiteren Abstieg ins Tal zu überstehen. Auch wenn viel geflucht und – mal wieder – über den Sinn anstrengender Bergtouren philosophiert wurde, kamen wir irgendwann doch noch am Auto an.

Fazit: die Anstrengungen, der Abstieg in der Dunkelheit und der lange, nächtliche Heimweg waren diese Kletterei in atemberaubender Hochgebirgslandschaft definitiv wert!

(c) Carsten Becker

Der erste Schnee liegt bereits

(c) Carsten Becker

Hüttenzustieg

(c) Carsten Becker

Der Südpfeiler

(c) Carsten Becker

In der Route

(c) Carsten Becker

Blick vom Gipfel

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