Gamskogel (2386m) – Eine Überschreitung der besonderen Art

Veröffentlicht von am Sep 7, 2016 in Klettern, Klettertouren, Niedere Tauern, Ostalpen | Keine Kommentare
Gamskogel (2386m) – Eine Überschreitung der besonderen Art

Es ist schon lange her, da is er ihn gegangen. Mein Arbeitskollege den Gamskogel bzw. den Gamskögelgrat. Den empfiehlt er mir auf meine Anforderungen zugeschnitten: am Weg nach Schladming, 3-4er Grat, selbst zu sichern, wenig besucht. Wenig besucht war er wahrscheinlich früher mal, eine “Aufwertung” durch Klebehaken und das Internet lassen unter der Woche 6 Seilschaften über den Grat huschen. Ich brauche also kein schlechtes Gewissen haben; ein Geheimtipp ist es wohl schon länger nicht mehr. Schön auf jeden Fall!

Wir starten bei der Bergerhube, einer kleinen Wirtschaft in den Triebener Tauern. Schon bei der Anfahrt zeigt sich unser Grat in voller Länge. Wie immer: von weit weg sieht das Ding recht schroff und abweisend aus, aber zu oft hat man sich von der Weite schon beeindrucken lassen, als dass es uns jetzt aus der Fassung bringen würde. Man ist ja lernfähig. Der erste Teil des Zustiegs gestaltet sich flach, angenehm und ruhig. Man wandert durch einen verwunschenen Märchenwald und quert nur ab und zu eine Forststraße. Weiter oben, im Bereich der Mödringalm, ist es dann aus mit dem Märchenwald. Die Niederschläge der vergangenen Wochen bzw. Monate haben ihre Spuren hinterlassen. Schweres Gerät hat hier die Böschungen kleiner, ausgetrockneter Gerinne befestigt, welche sich bei Starkniederschlag scheinbar zu wahren Monstern entwickeln können. Das letzte Drittel geht dann eher weglos und steil zur Scharte zwischen Mödringkogel und dem Grat, welcher zum Gamskogel zieht. Es dauert länger als gedacht, das letzte Stück bringt uns ins Schwitzen, aber nach etwas mehr als 2 Stunden pausieren wir erstmal in der Sonne am Einstieg.

Gamskoegelgrat1

Das Ziel fest vor uns. Ganz links der Mödringkogel. Ab der Scharte rechts davon beginnt unsere Kletterei und endet an der höchsten Erhebung.

Gamskoegelgrat2

Das Ganze im Detail.

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Am Zustieg zum Grat wie auch beim Abstieg am Normalweg: verhältnismässig wenig Spuren.

Gamskoegelgrat4

Mehr Spuren hinterlassen dafür die kleinen wilden Bäche im Gebiet.

Gamskoegelgrat5

Es wird steiler und anstrengender…

Gamskoegelgrat6

Die Landschaft entschädigt für den ein oder anderen vergossenen Tropfen Schweiß.

Gamskoegelgrat7

Reichhaltiges Panorama

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Ein Blick nach Süden.

Gamskoegelgrat9

Im Hintergrund der Mödringkogel. Jetzt ist erstmal Pause angesagt.

In der ersten Länge zeigt sich dann schon, wie der Rest der Tour verlaufen wird: ned so fest, aber a ned so locker. Am Grat wechseln sich feste, zum Teil echt gute (leider aber sehr kurze) Kletterstellen mit Gehgelände und etwas Botanik ab. Mit Schnee und Gletscher wärs eine super Hochtour, so eine tolle, etwas ungewöhnliche Begehung die etwas mehr fordert als reine Kletterbegeisterung. Man erklettert die einzelnen Kogel, steigt sie wieder ab und quert im Gehgelände, welches zum Teil absturzgefährdet ist, zum nächsten Gupf. Am ganzen Grat stecken vielleicht 10 solide Bohr- oder Klebehaken. Am restlichen Grat ist Eigeninitiative gefragt (Schlingen und Friends haben sich bei uns besonders bewährt). Vergisst man nicht sämtliche mobile Sicherungsmittel zu entfernen, so dauert die Begehung in etwa 3,5 Stunden, wobei man die leichteren Passagen ungesichert oder am langen Seil gehen muss um im Zeitplan zu bleiben. Zur 175. Jubiläumsbegehung wurde dem Gamskogelgrat ein neues Wandbuch spendiert. Ob es die 175. Begehung insgesamt, in der aktuellen Saison oder die 175. Begehung vom edlen Wandbuchspender ist, bleibt offen. Der langen Anreise sei Dank sehen wir unsere Mitstreiter nur von der Ferne und so teilen wir uns den Gipfel zu zweit mit ein paar Steinböcken.

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Eine der spannenden Stellen am Grat.

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Auf und nieder, immer wieder.

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Bei dem Panorama wirds einfach nicht langweilig.

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Der letzte Aufschwung, dann ist es geschafft.

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Noch ein Mantle und dann ausgetopped.

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Noch 5 Minuten zu Fuß zum Gipfel.

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Bevor die beiden Kerle ums Eck gekommen sind hab ich schon gedacht mein Merinoshirt hätte zu stinken begonnen. Zum Glück war es nicht das Shirt! Auf die nächsten 14 Tage.

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Yüppi!

Nachdem man den ersten, steilen, vielleicht auch nervigen Teil des Normalwegs abgestiegen ist, taucht man wieder in eine sehr ruhige Märchenlandschaft ein. Die Zeit zurück zum Ausgangspunkt verfliegt förmlich. Und unsere Nase führt uns direkt in die Gaststube der Bergerhube. Bei Bier und Schweinebraten (welchen wirklich nur die Oma besser macht) lassen wir den Tag ausklingen.

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Der Blue Ice Warthog 28, ein super Begleiter!

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Wieder im Märchenland unterwegs…

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Ein Rückblick zu unserem Aufstiegsweg. Jetzt nur noch bergab!

 

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