Alpine Haftungsfragen

Wiesbachhorn
Blick vom betroffenen Wiesbachhorn hinunter zum Stausee Mooserboden

Anlass ist ein Artikel im heutigen Standard. Die ersten touristischen Begehungen am Beginn des Alpinismus unternahm man stets mit Ortskundigen. So war es damals üblich nur mit Bergführer in die eisigen und unwirtlichen Berge aufzusteigen. Was man dann zu Anfang des 20. Jahrhunderts die wilden “Führerlosen” nannte und was in den fünfziger Jahren weiter in Personen wie z.B. Hermann Buhl Ausdruck fand ist heute nahezu alltäglich. Bergführerpartien sind ein seltenes Bild geworden, sogar im Hochgebirge - so gehen heute nicht nur erfahrene und ausdauernde Menschen auf die hohen Berge, sondern auch untrainierte Urlauber, die nicht über die nötige Selbsteinschätzung verfügen.
Diese Tatsache spitzt sich noch weiter zu, wenn man bedenkt, dass Skipisten und Seilbahnen zu den großen Errungenschaften in den Alpen zählen und, wie bereits Reinhold Messner in seiner dreiteiligen Dokumentation “Messners Alpen” gesagt hat, als “Sportgeräte” zu bezeichnen seien.
In diesem Spannungsverhältnis von mehr (untrainierten) Bergsteigern - also Nutzer – und vom Wegenetz als alpine Infrastruktur, stellt sich nun die Frage, ob der moderne (Wellness-) Bergsteiger noch genügend Selbstverantwortung mit sich trägt?
Leider werden im Selbstverständnis der Fitnessgeneration die Berge als Trainingsgebiet und die alpinen Weganlagen gerne als Sportgeräte angesehen. Wo bleibt die eigene Verantwortung, wenn man bergsteigen geht? Momentan ist eine Diskussion im Gange, die hohe Wellen schlägt.
Wer soll zukünftig die Wege betreuen, wenn man für Unfälle (un)geübter Bergsteiger haftbar gemacht werden kann? Bei schwindenden Mitgliederzahlen entziehen sich Alpenverein, Naturfreunde & Co. vermehrt Ihrer Aufgabe als Wegeerhalter. Soll dies in Zukunft die Aufgabe einzelner Gemeinden werden? Soll dann der Bürgermeister für Unfälle haften, wie in Unterach am Attersee? Wo bleibt die Selbstverantwortung für Bergsteiger? Um das neuliberale Bürokratentum zu befriedigen wäre ich für einen Bergführerschein – wie wärs mit European Mountaineering Driving License. Euer Hochtourist.

Mehr dazu im heutigen Standard unter dem Titel “Haftungsfragen machen alpine Wege unsicher” und betreffend dem Urteil von Unterach in der Kleinen Zeitung unter dem Titel “Es soll nicht werden wie in Amerika”. Die Salzburger Nachrichten titelten: “Das kann sich niemand leisten” .

Elbrus, 5642 m

Elbrus SuedrouteAbstieg auf der Südroute auf etwa 5.000 m

uiaa-youth-summitUIAA Global Youth Summit zweiter und letzter Teil. Wie bereits im vorherigen Artikel zu lesen, waren jungen Menschen aus einem knappen Dutzend verschiedener Länder aufgebrochen, um im Zeichen des Friedens gemeinsam den höchsten Berg Europas zu besteigen. Der Leiter und Organisator der Expedition Alexander Zaidler musste auf die Fähigkeiten von jedem von uns richtig eingehen und hat uns unter diesen Umständen bestmöglich auf die Besteigung vorbereitet.

Der Aufstieg begann in Azau wo wir die neue 6er-Gondel als Aufstiegshilfe nahmen. Wie sich aber bald herausstellen würde, nur bis zur Mittelstation. Die zweite Traktion legten wir mit einer altersschwachen, aber noch funktionierenden Einkabinenbahn zurück. Vorsicht war nicht nur bei der mit einer Schnur verriegelten Tür geboten, sondern auch bei unserer Bekleidung. Rost soll nur begrenzt auswaschbar sein.

Bei der eigentlichen Bergstation erwartete uns ein sehr eleganter und luftiger Einmannsessellift. Was vom Sessel noch vorhanden war, das benutzte man um sich daran festzuhalten – mit 20 Kilo Gepäck am Schoß. Bei der Garabashi-Station angekommen versperrten die großen Ölfässer die Sicht auf den Gipfel. Die umgelegten alten Fässer (“Barrel-Huts) dienen heute als Unterkünfte für pauschalreisende Bergsteiger. Wir zogen weiter auf die Höhe der abgebrannten und wieder aufgebauten “Prijut-Hütte”. Dort schlugen wir schließlich unser Zeltlager auf. Erst einmal in Ruhe ankommen und den Rummel ignorieren (unzählige Pistenfahrzeuge kurven um unser Zeltlager herum).

Tag 2 begann mit dem gemächlichen Aufstieg zu den Pastukhova-Felsen auf eine Höhe von rund 4.800 m. An diesem so viel zitierten Felsen kann man nichts besonderes entdecken, bis auf die steile Stelle davor. Dass aber die Hangneigung oberhalb der Felsen empfindlich steiler werden würde, sollten wir erst tags darauf bemerken. Nach der zweiten Akklimatisationstour zu den Felsen erholten wir uns noch bei sommerlich warmen Temperaturen im Basis-Lager.

Der Gipfelanstieg begann um 2 Uhr nachts. Der Wecker läutete uns aus der ohnedies schon kurzen und schlafarmen Nacht. Draußen stob lautstark der Wind am Zelt vorbei. Das Müsli lag bereits im Topf bereit – Wasser darüber und auf den Gaskocher, sitzend im Schlafsack. Schließlich einen großen Schuss - wie man in der Landessprache zu sagen pflegt – Moloko darüber und fertig war das exquisite Frühstück. Essen. Tee trinken. Anziehen. Alles schon vorbereitet. Und sofort nach draußen, wo bereits die Kegel der Stirnlampen durch die  schwarze Nacht tanzten. Dann nochmals Wasser holen und Tee kochen. Dazwischen Windjacken und –hosen anziehen. Gamaschen nicht vergessen und ja, Steigeisen, die wohl wichtigsten Werkzeuge während des Aufstiegs.

Gemeinsam begann der Aufstieg und bis zu den Pastukhova-Felsen waren die Gruppe auch noch überschaubar nah beieinander. Doch dort oben lassen sich die Pauschaltouristen, die “Seven Summiters”, mit Pistenbullys hochchauffieren. Unglaublich aber wahr. Bei sturmartigen Wind leuchteten uns die Scheinwerfer der lauten Ungetümer ins Gesicht und fuhren an uns vorbei. Dort wo wir die heraufgekarrten Bergsteiger überholten, boten sich erstaunlich groteske Bilder. Der Bergsteiger links von mir eine unkenntliche Gestalt, eingemummt zum Schutz vor der Kälte. Der Bergsteiger zur Rechten lag bereits zum zweiten Mal im Schnee, das Atmen fiel sukzessive schwerer. Die Teilnehmer unserer Expedition waren nicht mehr auszumachen. Mehr dazu hier.

Nach der unglaublich steilen Passage unter dem Ostgipfel folgt ein langer und eher flacher Teil, den ich müde taumelnd zurück legte. Weit vorne versprach mir der Sattel wärmende Sonnenstrahlen und: die vielversprochene Rast. Dort saßen auch Einige von der UIAA Expedition. Mein einziger Langzeitbegleiter, seitdem der Wind uns drangsalierte und die steile Flanke herunter peitschte, war Georg. Die Rast war ausgiebig, aber bereits gehörig erschöpft war es nicht einfach die elementarsten Dinge zu erledigen, zu essen und zu trinken. Georg wechselte mich mit der Führung ab und in einem gewachsenen Team rund um Martin, Anastasiya, Maximilian und Georg gelangte ich Schritt um Schritt, Atemzug um Atemzug auf das Gipfelplateau und auf den kleinen sanften Hügel – den Gipfel.
Eisig kalt war es am nebelverhangenen Gipfel und ich war froh nicht mehr weiter steigen zu müssen. Meine Trinkflasche hatte ich wahrscheinlich in der Flanke verloren, so war ich um jeden Schluck von Martins Gatorade froh – halb auf Eis versteht sich. Das Einzige was jetzt noch zu bewältigen sein würde, war der lange und weite Abstieg. 9 Stunden haben wir bereits benötigt um hier oben zu stehen. Eine sehr lange Zeit für 1500 Höhenmeter, aber es schien guter Durchschnitt zu sein.
Was ich nicht wissen sollte: Ab 5000 regenerierte ich mich unglaublich schnell. Die Gedanken tauchten aus dem matschigen Sumpf auf und es klarte im Kopf auf - von einem Schritt auf den anderen. Wir entledigten uns der Steigeisen und stapften im sulzigen Schnee talwärts ins Basis-Lager. Über die (gesunde) Rückkehr glücklicher als über den Aufstieg selbst war ich vor allem eines: erleichtert alles geschafft zu haben und erleichtert, dass sich die monatlichen Vorbereitungen auf dieses Ziel bezahlt gemacht haben. Trotzalledem sei erwähnt, dass der Elbrus selbst nicht nur annähernd die Schönheit und Eleganz besitzt, wie seine Nachbarn im Kaukasus-Hauptkamm. Die Höhe und die Prominenz alleine brachten mich auf den Gipfel, nicht die Leidenschaft am Bergsteigen selbst. Aber eines weiß ich mit großer Gewissheit: der Kaukasus wird mich noch öfter zu Gesicht bekommen, schon alleine des Anblicks wegen.

IMG_1060 IMG_1091 IMG_1116 IMG_1127 IMG_1138

Höhenprofil
GPS-Track (Download mit rechter Maustaste “Ziel speichern unter…”.

Andyrchi, 3913 m

Andyrchi PanoramaDas Azau-Tal und die Stadt Elbrus am Fuße des gleichnamigen Vulkankegels

uiaa-youth-summitWie bereits vor einigen Monaten berichtet, fanden heuer erneut die Global Youth Summits statt. Die Jugendkommission der Union Internationale des Associations d’Alpinisme, kurz UIAA, ist Triebfeder der jährlich stattfindenden Veranstaltungen. Die Mitglieder der internationalen Vereinigung – die nationalen Verbände – richten diese meist aus. Die Intention dahinter: das Bergsteigen mit Kindern und  jungen Menschen zu fördern und so die gesellschaftliche Verantwortung dafür zu stärken.

Seit 10 Jahren bereits wird der UIAA YC & UMF Global Youth Summit im russischen Kaukasus durchgeführt. Allerdings besitzt der 78-jährige Expeditionsleiter und Organisator Alexander Zaidler keinen russischen Pass, sondern stammt aus dem ukrainischen Dnjepropetrowsk, denn Veranstalter ist jedes Jahr die Ukrainian Mountaineering Federation (UMF).

Details zu den Summits findet man auf der UIAA-Seite. Ich möchte nun die Akklimatisationstour auf den Andyrchi vorstellen. Der Hauptkette nach Norden vorgeschoben, zwischen Adylsu- und Adyrsu-Tal liegt die relativ kleine Adylsu-Kette. Am deren äußersten Ausläufern, in unmittelbarer Nachbarschaft des höchsten Gipfels der Kette (Kurmychi, 4058 m), ist unser Ziel gelegen. “Andyrchi” gibt uns der ukrainische Bergführer zu verstehen. Er deutet auf einen relativ flachen Felsriegel, der im Norden noch den letzten Rest des Schneeumhangs trägt. Zwar wäre es schön gewesen auf über viertausend Meter zu stehen, doch beim Blick in die Karte stellt sich heraus, dass wir nicht weit davon entfernt sein werden. Technische Schwierigkeiten gibt es nicht, dafür protzt der Berg mit einer fantastischen Rundsicht in die Kaukasus-Hauptkette, und: mit dem kleinen Detail der zweithöchste Gipfel im kurzen Kamm zu sein.

Vom Camp “Ochag”, dass von der Straßenkreuzung “Shkhelda/Adylsu” nur mehr zu Fuß oder mit Geländefahrzeugen zu erreichen war, folgten wir einem sehr steilen, aber gut ausgetretenen Weg direkt hoch in die Südflanke. Durch eine Waldschneise erreichten wir über üppige Steilwiesen eine kleines karges Plateau am Beginn des kurzen Südsporns. Dort schlugen wir das Zeltlager auf. Wasser entnahmen wir einer kleinen Quellen am Ende der langen Schneezunge.

Der weitere Aufstieg begann am nächsten Morgen über den besagten Sporn. Über Schutt und Sand erreichten wir den sogenannten VCSP-Sattel auf 3310 m. Rechts führt der Weg steil auf den Gipfel des Kurmychi, wir aber folgten dem linken Anstieg direkt am Grat oder etwas rechts am Firn bis zur flachen Gipfelkuppe. Einige von uns statteten noch dem nördlich vorgelagerten Gipfel einen Besuch ab. Die namenlose Spitze empfing uns mit leichter Kletterei.

Der Abstieg erfolgte auf der Anstiegsroute zurück zum Zeltlager. Drei Zeltgemeinschaften entschlossen sich eine weitere Nacht auf der Höhe von ca. 3200 m zu übernachten und trotzten einer kalten Nacht voll Hagel und Schneefall. Der Ausrüstungstest war erfolgreich abgeschlossen und bereits am nächsten Tag besserte sich das Wetter rasch. Wir konnten in aller Ruhe die Ausrüstung trocknen und uns dann optimal für die Fahrt zum Elbrus vorbereiten.

IMG_0853 IMG_0878 IMG_0954 IMG_0987 IMG_1024

Höhenprofil
GPS-Track (Download mit rechter Maustaste “Ziel speichern unter…”.

Remix 09

remix-logoDie Konferenz für Web-Developer und -Designer findet heuer am 1. Oktober in Wien statt. In den sogenannten Tracks (Developer/Design) kann man sich kostenlos Vorträge zu den neuesten Features von Entwicklern und Spezialisten der Microsoft Corporation Redmond zu Gemüte führen. Der Grund, warum nur Speaker vom großen Softwarekonzern Microsoft zugegen sind ist einfach: Veranstalter ist die nationale Niederlassung in Wien.

Warum nimmt hochtourist.at an der Konferenz teil? Ein weiterer und sehr interessanter Track ist des Rätsels Lösung: Die ehemals als “Live-Maps” firmirenden online Satelliten- und Luftbildkarten des Veranstalters werden von den Entwicklern des britischen Standorts auf ihre Verwendbar- und Verwertbarkeit für Unternehmen und Endverbraucher vorgestellt. Die Rede ist von “Bing Maps”. Nicht nur Vorträge über die Vorzüge dieses Produktes sind zu hören, sondern es werden auch Vergleiche mit bereits am Markt etablierten Lösungen versprochen, so die Ankündigung auf der Webseite.

Zwar verwendet Google mittlerweile unglaublich scharfes Bildmaterial im Alpenraum, doch die atemberaubenden Luftbilder von Microsoft/Bing sind nach wie vor ein verspieltes und interessanten Detail bei Online-Karten.
Im Hinblick auf die Verwendbarkeit im diesem Blog, werde ich an der Konferenz teilnehmen und testen inwieweit dieses Material für die Darstellung der Routen interessant ist - Ich werde berichten.

Remix 09 - Die Konferenz für Web-Designer und Web-Developer” findet am 1. Oktober 2009 in Wien statt. Die Teilnahme ist gegen Anmeldung kostenlos.

So weit die Knie tragen / Piper

so weit die knie tragenMein Fußmarsch durch Afghanistan
Buchrezension von Martin Zinggl*

„…Es ist mitten im Winter, auf den Passübergängen liegen drei Meter Schnee, in jener Gegend gibt es Wölfe, und es ist Krieg! Sie werden umkommen, ich garantiere es Ihnen. Wollen Sie wirklich sterben?“ (Zitat aus Rory Stewart „So weit die Knie tragen“, S.18)

Was nach einem waghalsigen Abenteuerbericht eines Verrückten klingt, ist das literarische Ergebnis von Rory Stewarts Fußmarsch durch Afghanistan. Über einen Zeitraum von 21 Monaten wandert Stewart quer durch Zentralasien. „So weit die Knie tragen“ behandelt den Abschnitt von Herat nach Kabul, eine Strecke die einst Babur, der erste Großmogul von Indien unternommen hat und dessen Fußspuren Stewart in seiner Reiseerzählung folgt. Der Geschichteprofessor aus Schottland mag sowohl waghalsig als auch verrückt sein, vor allem aber ist er eines: entschlossen!

Im scheinbar ungünstigsten Moment – kurz nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen – bricht Stewart auf, um das krisengerüttelte Land und seine Bevölkerung zu entdecken. Einziger Begleiter Stewarts ist ein zahnloser Hund, den er liebevoll „Babur“ tauft.

Warum es zu diesem Marsch gekommen ist, beantwortet Stewart nicht wirklich. Der tatsächliche Grund für seine Wanderung ist eine Kombination von Motiven: intensiver Kontakt mit der Natur, Afghanistan als zentralen Schmelzpunkt unterschiedlicher Kulturen kennen zu lernen, einen Spaziergang durch die Weltgeschichte zu unternehmen.

Zwischen Taliban, Landminen und Durchfall, muss der Autor vor allem mit Machtspielchen hochnäsiger Militärangehöriger und Warlords, marodierenden Kinderbanden und zornigen Hundemeuten kämpfen. Dennoch zeigt uns Stewart ein Afghanistan fernab von Kriegen, Anschlägen und Entführungen. Überrascht über den Besucher aus einer anderen Welt und sein Vorhaben, wird Stewart beinahe immer gastfreundschaftlich von der Bevölkerung aufgenommen. Großzügig werden die wenigen vorhandenen Lebensmittel mit dem Gast aus Schottland geteilt. Sein gut fundiertes Wissen über Afghanistan und ausreichende Persischkenntnisse helfen Stewart nicht nur in der Sozialisierung, sondern auch brenzlige Situationen zu meistern.

Poetisch beschreibt der Autor Afghanistans atemberaubende Landschaft, die sich scheinbar „aus gewalttätigen Ereignissen der jüngsten Vergangenheit zusammensetzt“. Er berichtet sowohl vom Leiden der Bevölkerung aufgrund interner theologischer und ethnischer Konflikte, als auch vom halbherzigen Einsatz der UNO und anderen internationalen Hilfsorganisationen. Aktuelle politische Geschehen in Afghanistan analysiert Stewart, indem er historische Ereignisse erklärt und die Zusammenhänge zur Gegenwart erläutert.

Seine scharfe Beobachtungsgabe verhilft Stewart zu einer detaillierten Beschreibung der afghanischen Kultur und seiner Besonder- und Eigenheiten. Mit beeindruckender Bescheidenheit erzählt er seine abenteuerliche Geschichte, genauso wie seinerzeit Babur. Auch wenn Stewarts Unterfangen sehr gefährlich ist, so streicht er dies nie heraus. Stattdessen konzentriert sich der Autor auf die Menschen, denen er begegnet, schildert anhand von Portraits einzelner Personen eine ganze Gesellschaft und beschreibt humorvoll ihre Rituale.

Wer von diesem Buch einen Abenteuerbericht erwartet, wird vermutlich enttäuscht sein. Rory Stewarts Fußmarsch durch Afghanistan ist eine Ansammlung von geschichtlich fundierten Erläuterungen zur Kultur dieses zerrüttelten Landes. Authentisch, intelligent, informativ, ehrlich und aus anthropologischer Sicht sehr interessant. Eine ordentliche Portion aus Mut, Kraft, Wille und Glück lassen den jungen Mann schließlich sein Ziel - Kabul - erreichen, wo er später eine NGO zur Erhaltung des kulturellen Erbes Afghanistans gründet.

*Martin Zinggl ist Diplomand am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien, freier Autor und Dokumentarfilmer. Ab sofort wird er hochtourist.at regelmäßig mit Beiträgen versorgen.

“So weit die Knie tragen - Mein Fußmarsch durch Afghanistan” von Rory Stewart ist 2009 erstmals in deutscher Sprache als Taschenbuch erhältlich und bei Piper erschienen: € 9,95 [D], € 10,30 [A]. ISBN: 978-3-492-25422-9, 396 Seiten. 1. Aufl. 2009

International Mountain Summit 2009

visual1.indd

Vom 3. bis 8. November 2009 treffen sich in Brixen, Südtirol, erstmalig die weltweit besten Bergsteiger zu einem einzigartigen Gipfeltreffen – dem International Mountain Summit® 2009 – dem ersten internationalten Kongress zum Thema Alpinismus, Sport und Outdoor.

Internationale Bergsteigerlegenden und –größen wie Sir Chris Bonington, Hanspeter Eisendle, Peter Habeler, Christoph Hainz, Lynn Hill, Steve House, Alexander Huber, Hans Kammerlander, Reinhold Messner, Simone Moro, Ines Papert, Roger Schäli, Doug Scott, Stephan Siegrist, Heinz Zak und Maurizio Zanolla (Manolo) werden am IMS teilnehmen.

Eine umfangreiches Programm mit spannenden Vorträgen und informativen Diskussionen wartet auf interessierte Besucher, sowie eine begleitende Outdoormesse, wo neueste Entwicklungen auf dem Bekleidungs- und Bergsportmarkt präsentiert werden.

Auf der weltcuptauglichen Boulderwand wird ein Showwettkampf der Profis stattfinden, bei welchem jeweils sechs der weltweit besten Boulderer sich in einem neuen Wettkampfmodus messen werden.

Ein Höhepunkt des dichten Programmes ist sicherlich das sogenannte “Talk & Walk” wo man täglich mit den “Stars” durch die herrliche Bergwelt Südtirols wandern kann – ganz privat sozusagen.

Mehr Informationen dazu finden Sie auf: www.ims.bz

Steiglpass, 2018 m

Steiglpass
Rast am nebelverhüllten Steiglpass.

Der mittlere der drei Übergänge im Gosaukamm zwischen den Bundesländern Salzburg und Oberösterreich ist der 2018 m hohe Steiglpass. Üblicherweise wird der Pass bei der Gosaukammumrundung begangen. Beim Abstieg über den Steiglweg zum Vorderen Gosausee zurück ergeben sich prächtige Einblicke in die unzähligen Kare der Nordostseite – vorausgesetzt ist nebelfreies Wetter. In Kombination mit der Überschreitung des Gr. Donnerkogels kann man bei der Umrundung auch noch einen sehr lohnenden Aussichtspunkt “mitnehmen”.

5 1/2 Std. - 560 Hm
Talort:
Filzmoos, 1056 m
Anreise: Siehe hier.
Ausgangspunkt: Theodor-Körner-Hütte, 1458 m
Anforderungen: Markierter Almenwanderweg mit einer steileren Stelle (Stahlseile) auf der Nordseite der “Durchgangscharte”, 1601 m. Sonst meist gerade in leichtem Auf und Ab.
Gehzeiten: Theodor-Körner-Hütte – Hofpürglhütte 2 Std. – Steiglpass 1 Std. – Vorderer Gosausee 2 1/2 Std.
Stützpunkte: Theodor-Körner-Hütte, 1458 m; Stuhlalm, 1467 m; Hofpürglhütte, 1705 m.
Karten: ÖK 50 3217 UTM, AV Karte Bl. 14

Von der Theodor-Körner-Hütte auf der Stuhlalm folgt man stets dem Austriaweg auf bzw. dem Nordalpinen Weitwanderweg 01/01a. Nach der Querung des Stuhlloch-Kares führt der Weg steil und in Serpentinen, teils gesichert auf die “Durchgangscharte”. Danach wandert man auf schönen Almwegen bis zur Hofpürgelhütte.
Von dort folgt man dem Weg 01 weiter Richtung Norden bis zu einer Abzweigung im sogenannten “Kessel”. Man folgt dem linken Weg weiter nach Norden. Der anfangs noch gemächliche Weg wird rasch sehr steil und führt weiter oben auf gesicherten Felsen auf den Steiglpass. Von dort steigt man immer gemächlich dem Steiglweg folgend bis zum Vorderen Gosausee bergab (Weg Nr. 612)

P1050162 P1050164 P1050163 IMG_0682 IMG_0681

Höhenprofil
GPS-Track (Download mit rechter Maustaste “Ziel speichern unter…”)

Mandlkogel, 2279 m – Glatscherofenkogel, 2078 m – Südostwand

Glatscherofenkogel-Halleluja
Kriechband in der 5. Seillänge der Route “Halleluja” am Glatscherofenkogel.

Im Bereich der Stuhlalm findet man gute Klettereien in bestem Fels, die kürzlich erst saniert wurden. Nicht nur mit Kletterschuhen ist für jeden Geschmack etwas dabei, auch mit Wanderschuhen erreicht man stille Gipfel mit hervorragendem Ausblick – auf berühmte Nachbarn mit hektischem Betrieb.

10 Std. - 850 Hm
Talort:
Annaberg im Lammertal, 778 m
Anreise: Siehe hier.
Ausgangspunkt: Theodor-Körner-Hütte, 1458 m
Anforderungen: Markierter Almwanderweg und im Gebiet vom Mandlkogel schlecht markierter alpiner Steig mit Kletterstellen (UIAA I). Verbindung zwischen Glatscherofenkogel und Mandlkogel unschwierig, aber unmarkiert. Der Einstieg zur Kletterroute liegt direkt am markierten Aufstiegsweg zum Mandlkogel.
Kletterroute: Südostwand Glatscherofenkogel - “Halleluja” – Wandhöhe 220 m – 7 Seillängen. Meist IV-IV+, einige Stellen III und zu Beginn und im Ausstieg II. Sanierte Route in festem, plattigem Fels. Interessantes “Kriechband” in der 5. Seillänge. Eine der schönsten Touren im Bereich der Körner-Hütte. Für die exakte Routenbeschreibung und Übersicht der Kletterrouten ist der Kauf eines aktuellen Kletterführers empfohlen. Ingesamt 7 Seillängen.
Gehzeiten: Theodor-Körner-Hütte – Einstieg 1 1/2 Std. – Glatscherofenkogel 2 Std. – Mandlkogel 1 1/2 Std. – Theodor-Körner-Hütte 2 Std.
Stützpunkte: Theodor-Körner-Hütte, 1458 m; Stuhlalm, 1467 m.
Karten: ÖK 50 3217 UTM, AV Karte Bl. 14

Von der Theodor-Körner-Hütte halten wir uns am Austriaweg ostwärts und kommen noch im Bereich der Stuhlalm auf einen kleinen Sattel (Jagdhütte auf der rechten Seite - 10 Min.). Dort zweigt bei einem Wegkreuz ein schlecht markierter Almpfad Richtung Norden (links) ab und führt an einem Wasserschutzgebiet vorbei. Weiter über einen latschenbewaldeten Hang erreichen wir auf einer Höhe von ca. 1680 m eine Kreuzung wo ein schmaler und schlecht sichtbarer Pfad nach rechts abzweigt. Dieser führt leicht bergauf und –ab in die Angersteinrinne (schöner Klettergarten – Info auf der Theodor-Körner-Hütte). Dort überquert man ein Schuttfeld und gelangt unter den Südwestwänden des Glatscherofenkogels in die Gamsfeldklamm (leichte Kletterstelle – I). Steil folgt der Weg nun der Schuttrinne bergwärts. Im zweiten, oberen Wandabschnitt befindet sich der Einstieg auf der linken Seite (Haken).
Nach den 7 Seillängen in herrlichem Fels steht man schnell auf der flachen Gipfelkuppe des Glatscherofenkogels. Von dort folgt man dem Gipfelkamm nach Nordosten bis zu einem weiten und von spektakulären Karren durchzogenen Grashang. Im Bogen über der Gamsfeldklamm wandert man dann an der rechten Seite in leichtem Gelände bis zum pyramidenartigen Gipfelaufbau des Mandlkogels. Die letzten Meter werden in leichter Kletterei (I) in einer kleinen Rinne zurückgelegt (Steinmänner). Von dort gelangt man über ein schmales Band auf der rechten Seite zum Gipfel.
Nach der Gipfelrast und –stärkung erfolgt der Rückweg über den Normalweg. Dazu folgt man den wenigen, aber ausreichende Markierungen direkt über die Gamsfeldklamm abwärts, am Einstieg der Kletterroute vorbei, zurück auf den Boden der Stuhlalm.

P1050144 P1050151 P1050149 P1050154 P1050158

Gr. Donnerkogel, 2054 m - Westwand

Gr-Donnerkogel
Rast am Gr. Donnerkogel. Dahinter das Dachsteinmassiv.

Ein namhafter Gipfel im Gosaukamm ist der Donnerkogel - wie er kurz genannt wird - allemal; Aufgrund der Aussicht, aber auch aufgrund seiner relativ leichten Erreichbarkeit im meist schwer zugänglichen Kamm. Zur Berühmtheit des massigen Kalkriegels hat auch die Errichtung des umstrittenen Klettersteiges über den von Paul Preuß erstbestiegenen Nordwestgrates beigetragen. An diesem Tag wurde allerdings der “Alte Weg” an der Westwand begangen.

6 Std. – 1120 Hm
Talort:
Gosau, 780 m
Anreise: Vom Hallstätter See in Oberösterreich oder vom Lammertal im salzburger Tennengau über die B 166 nach Gosau. Im Ortszentrum der Straße zu den Gosauseen in südlicher Richtung bis zu den Parkplätzen bei der Talstation der Gosauer Kammbahn folgen. Öffentlich erreicht man den Ort bzw. den Vorderen Gosausee mit dem Bus. Fahrplanauskunft hier.
Ausgangspunkt: Vorderer Gosausee, 937 m
Anforderungen: Wanderweg auf die Zwieselalm und ab dem Sattel am Törleck alpiner Steig auf den Gr. Donnerkogel (Trittsicherheit). Kletterschwierigkeiten siehe unten. Der Abstieg ist teilweise seilversichert und erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit (UIAA I).
Kletterroute: Westwand – “Alter Weg” – Wandhöhe 200 Hm – 5 Seillängern, Eine Stelle IV, sonst meist III und Schrofengelände. Die Route ist 2008 saniert worden. Haken wurden an den neuralgischen Punkten angebracht. Die Felsqualität ist zwar nicht in der Topliga der Kalkklettereien, aber bei gewisser Vorsicht gefahrlos zu begehen.
Gehzeiten: Vorderer Gosausee – Gablonzer Hütte 1 1/2 Std. – Einstieg 1 Std. – Gr. Donnerkogel 2 Std. – Theodor-Körner-Hütte 1 1/2 Std.
Stützpunkte: Theodor-Körner-Hütte, 1458 m; Stuhlalm, 1467 m; Gablonzer Hütte, 1522 m.
Karten: ÖK 50 3217 UTM, AV Karte Bl. 14

Vom Vorderen Gosausee zweigt am nordwestlichsten Uferpunkt ein gemäßigt steiler Weg ab (Nr. 620), der uns bis zur Gablonzerhütte führt. Wer sich den Aufstieg ersparen will kann sich auch mit der Seilbahn bis auf die Almböden der Zwieselalm bringen lassen.
Den schönen Ausblick ins Gosautal verlieren wir zwar beim kleinen Sattel am Törleck (Einstieg Intersport Klettersteig), aber 5 Minuten nach dem Grenzübertritt ins Bundesland Salzburg folgen wir dem Normalweg zum Großen Donnerkogel (Nr. 628), welcher über die Westflanke zieht. Erreicht man die erste Stufe, sieht man oberhalb des Weges bereits die Westwand. Im mittleren Wandteil, links neben eines plattigen und etwas geneigten Wandabschnittes verläuft der “Alte Weg” auf einem Pfeiler. Über den bewachsenen Schuttsaum geradewegs zum Einstieg (Markierung). Den Haken und dem gratähnlichen Pfeiler stets folgend zum Ausstieg und über Schrofen zum nahen Gipfelkreuz.
Vom Gipfel südlich bergab und bei der Abzweigung (Einmündung Normalweg) gerade weiter bis der Weg (Nr. 631) nach links steil in eine Scharte führt (Stahlseile, UIAA I), dann unschwierig auf den Steinriesenkogel. Von dort über einen scharfen und ausgesetzten Grat erneut in eine Scharte bergab (Stahlseile). Über die Westflanke und einen gesicherten Aufstieg erreicht man eine weitere Scharte, wo man nach links in wenigen Minuten unschwierig dem Strichkogel einen Besuch abstatten kann (10 Min.).
Der weitere Abstieg erfolgt über das große westseitig ausgerichtete Kar hinab auf die grünen Wiesen der Stuhlalm (Bei Sonnenuntergang ein wahrhaftiges Erlebnis).

P1050117 P1050126 P1050129 P1050131 IMG_0672

Höhenprofil
GPS-Track (Download mit rechter Maustaste “Ziel speichern unter…”.

UIAA Global Youth Summit 2009

uiaa-youth-summit

Russland. Georgien. Zwei ehemalige Bruderstaaten in der kommunistischen Sowjetunion stehen sich militärisch und politisch an einer überaus reizvollen Gebirgskette gegenüber. Die Rede ist vom Kaukasus, der – möge man geographisch, politisch, oder anderwertig darüber streiten – Europa von Asien trennt; so die durchgesetzte Anschauung unter BergsteigerInnen. Zumindest für “Seven Summiters”.

Was in Österreich oder in den Alpen generell unvorstellbar wäre, nicht nur dieser unglaublich hohe Vulkanberg sondern auch die Art und Weise des Touristentransportes, ist, in Stereotypen gedacht, russisch von hinten bis vorn. Es funktioniert zwar nicht immer alles einwandfrei, aber die rostigen Ungetümer dienten bereits zu Sowjetzeiten und werden dies vermutlich auch noch lange tun. Dort wo die höchste Station der Seilbahn/Sessellift-Kette steht, erfreuen die hässlich berühmten “Barrel Huts” das sonnenempfindliche Auge und wer nicht in den “komfortablen” und alten Ölfässern nächtigen will, der steige weiter bis zur “Prijut 11”. Habe ich steigen gesagt? Fahre mit dem Ratrac (a.k.a. Pistenbully) dorthin. Auf die paar Rubel kommt es im Urlaub ja nicht an, oder?

Am nächsten Tag beginnen wir den Aufstieg mit einer nächtlichen Ratracfahrt zu den “Pastukhova-Rocks”, 4800m. Wahnsinn. Mont Blanc lässt grüßen. Wäre es nicht so steil würden die Ratracs vermutlich auch noch auf den Gipfel fahren um das Seven-Summit-Erlebnis für die dicke Brieftasche zu ermöglichen. Die Ski-doos machen es bereits vor und brausen an den FussgeherInnen vorbei, ihnen den Schnee ins Gesicht blasend. Nun frage ich mich kurz selbst im nächtlichen Ringen mit zu wenig Sauerstoff: Bin ich nun Radfahrer auf der Wiener Ringstraße, oder in knapp 5000m Höhe auf einem exponierten Punkt im russischen Kaukasus? Bevor die Antwort kommt bin ich wieder in die Aufstiegsroutine verfallen: Steigen, Atmen, Staunen…

Der Kaukasus ist mitnichten nur der Elbrus alleine. Es gibt dutzende und aberdutzende interessante Berggestalten im Blickfeld vom höchsten Punkt Europas, die wesentlich kühner und interessanter in den blauen Himmel ragen, als der berühmte Vulkankegel. Ein Detail fehlt – die Höhe. Ich wage hier zu behaupten, dass sogar Namen wie Ullu-Tau, Shkhelda oder zumindest Ushba – um nur einige zu nennen - in den Köpfen von AlpenbergsteigerInnen Platz haben. Und diesen meist unberührten Gipfeln einen Besuch abzustatten und wahre Bergluft einzuatmen ist das eigentliche Erlebnis im Kaukasus, dem sich jeder Besucher hingeben sollte, auch wenn er oder gerade weil er nur wegen einem einzigen Gipfel so weit gereist ist.