Monatliches Archiv für August, 2009

So weit die Knie tragen / Piper

so weit die knie tragenMein Fußmarsch durch Afghanistan
Buchrezension von Martin Zinggl*

„…Es ist mitten im Winter, auf den Passübergängen liegen drei Meter Schnee, in jener Gegend gibt es Wölfe, und es ist Krieg! Sie werden umkommen, ich garantiere es Ihnen. Wollen Sie wirklich sterben?“ (Zitat aus Rory Stewart „So weit die Knie tragen“, S.18)

Was nach einem waghalsigen Abenteuerbericht eines Verrückten klingt, ist das literarische Ergebnis von Rory Stewarts Fußmarsch durch Afghanistan. Über einen Zeitraum von 21 Monaten wandert Stewart quer durch Zentralasien. „So weit die Knie tragen“ behandelt den Abschnitt von Herat nach Kabul, eine Strecke die einst Babur, der erste Großmogul von Indien unternommen hat und dessen Fußspuren Stewart in seiner Reiseerzählung folgt. Der Geschichteprofessor aus Schottland mag sowohl waghalsig als auch verrückt sein, vor allem aber ist er eines: entschlossen!

Im scheinbar ungünstigsten Moment – kurz nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen – bricht Stewart auf, um das krisengerüttelte Land und seine Bevölkerung zu entdecken. Einziger Begleiter Stewarts ist ein zahnloser Hund, den er liebevoll „Babur“ tauft.

Warum es zu diesem Marsch gekommen ist, beantwortet Stewart nicht wirklich. Der tatsächliche Grund für seine Wanderung ist eine Kombination von Motiven: intensiver Kontakt mit der Natur, Afghanistan als zentralen Schmelzpunkt unterschiedlicher Kulturen kennen zu lernen, einen Spaziergang durch die Weltgeschichte zu unternehmen.

Zwischen Taliban, Landminen und Durchfall, muss der Autor vor allem mit Machtspielchen hochnäsiger Militärangehöriger und Warlords, marodierenden Kinderbanden und zornigen Hundemeuten kämpfen. Dennoch zeigt uns Stewart ein Afghanistan fernab von Kriegen, Anschlägen und Entführungen. Überrascht über den Besucher aus einer anderen Welt und sein Vorhaben, wird Stewart beinahe immer gastfreundschaftlich von der Bevölkerung aufgenommen. Großzügig werden die wenigen vorhandenen Lebensmittel mit dem Gast aus Schottland geteilt. Sein gut fundiertes Wissen über Afghanistan und ausreichende Persischkenntnisse helfen Stewart nicht nur in der Sozialisierung, sondern auch brenzlige Situationen zu meistern.

Poetisch beschreibt der Autor Afghanistans atemberaubende Landschaft, die sich scheinbar „aus gewalttätigen Ereignissen der jüngsten Vergangenheit zusammensetzt“. Er berichtet sowohl vom Leiden der Bevölkerung aufgrund interner theologischer und ethnischer Konflikte, als auch vom halbherzigen Einsatz der UNO und anderen internationalen Hilfsorganisationen. Aktuelle politische Geschehen in Afghanistan analysiert Stewart, indem er historische Ereignisse erklärt und die Zusammenhänge zur Gegenwart erläutert.

Seine scharfe Beobachtungsgabe verhilft Stewart zu einer detaillierten Beschreibung der afghanischen Kultur und seiner Besonder- und Eigenheiten. Mit beeindruckender Bescheidenheit erzählt er seine abenteuerliche Geschichte, genauso wie seinerzeit Babur. Auch wenn Stewarts Unterfangen sehr gefährlich ist, so streicht er dies nie heraus. Stattdessen konzentriert sich der Autor auf die Menschen, denen er begegnet, schildert anhand von Portraits einzelner Personen eine ganze Gesellschaft und beschreibt humorvoll ihre Rituale.

Wer von diesem Buch einen Abenteuerbericht erwartet, wird vermutlich enttäuscht sein. Rory Stewarts Fußmarsch durch Afghanistan ist eine Ansammlung von geschichtlich fundierten Erläuterungen zur Kultur dieses zerrüttelten Landes. Authentisch, intelligent, informativ, ehrlich und aus anthropologischer Sicht sehr interessant. Eine ordentliche Portion aus Mut, Kraft, Wille und Glück lassen den jungen Mann schließlich sein Ziel - Kabul - erreichen, wo er später eine NGO zur Erhaltung des kulturellen Erbes Afghanistans gründet.

*Martin Zinggl ist Diplomand am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien, freier Autor und Dokumentarfilmer. Ab sofort wird er hochtourist.at regelmäßig mit Beiträgen versorgen.

“So weit die Knie tragen - Mein Fußmarsch durch Afghanistan” von Rory Stewart ist 2009 erstmals in deutscher Sprache als Taschenbuch erhältlich und bei Piper erschienen: € 9,95 [D], € 10,30 [A]. ISBN: 978-3-492-25422-9, 396 Seiten. 1. Aufl. 2009

International Mountain Summit 2009

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Vom 3. bis 8. November 2009 treffen sich in Brixen, Südtirol, erstmalig die weltweit besten Bergsteiger zu einem einzigartigen Gipfeltreffen – dem International Mountain Summit® 2009 – dem ersten internationalten Kongress zum Thema Alpinismus, Sport und Outdoor.

Internationale Bergsteigerlegenden und –größen wie Sir Chris Bonington, Hanspeter Eisendle, Peter Habeler, Christoph Hainz, Lynn Hill, Steve House, Alexander Huber, Hans Kammerlander, Reinhold Messner, Simone Moro, Ines Papert, Roger Schäli, Doug Scott, Stephan Siegrist, Heinz Zak und Maurizio Zanolla (Manolo) werden am IMS teilnehmen.

Eine umfangreiches Programm mit spannenden Vorträgen und informativen Diskussionen wartet auf interessierte Besucher, sowie eine begleitende Outdoormesse, wo neueste Entwicklungen auf dem Bekleidungs- und Bergsportmarkt präsentiert werden.

Auf der weltcuptauglichen Boulderwand wird ein Showwettkampf der Profis stattfinden, bei welchem jeweils sechs der weltweit besten Boulderer sich in einem neuen Wettkampfmodus messen werden.

Ein Höhepunkt des dichten Programmes ist sicherlich das sogenannte “Talk & Walk” wo man täglich mit den “Stars” durch die herrliche Bergwelt Südtirols wandern kann – ganz privat sozusagen.

Mehr Informationen dazu finden Sie auf: www.ims.bz

Steiglpass, 2018 m

Steiglpass
Rast am nebelverhüllten Steiglpass.

Der mittlere der drei Übergänge im Gosaukamm zwischen den Bundesländern Salzburg und Oberösterreich ist der 2018 m hohe Steiglpass. Üblicherweise wird der Pass bei der Gosaukammumrundung begangen. Beim Abstieg über den Steiglweg zum Vorderen Gosausee zurück ergeben sich prächtige Einblicke in die unzähligen Kare der Nordostseite – vorausgesetzt ist nebelfreies Wetter. In Kombination mit der Überschreitung des Gr. Donnerkogels kann man bei der Umrundung auch noch einen sehr lohnenden Aussichtspunkt “mitnehmen”.

5 1/2 Std. - 560 Hm
Talort:
Filzmoos, 1056 m
Anreise: Siehe hier.
Ausgangspunkt: Theodor-Körner-Hütte, 1458 m
Anforderungen: Markierter Almenwanderweg mit einer steileren Stelle (Stahlseile) auf der Nordseite der “Durchgangscharte”, 1601 m. Sonst meist gerade in leichtem Auf und Ab.
Gehzeiten: Theodor-Körner-Hütte – Hofpürglhütte 2 Std. – Steiglpass 1 Std. – Vorderer Gosausee 2 1/2 Std.
Stützpunkte: Theodor-Körner-Hütte, 1458 m; Stuhlalm, 1467 m; Hofpürglhütte, 1705 m.
Karten: ÖK 50 3217 UTM, AV Karte Bl. 14

Von der Theodor-Körner-Hütte auf der Stuhlalm folgt man stets dem Austriaweg auf bzw. dem Nordalpinen Weitwanderweg 01/01a. Nach der Querung des Stuhlloch-Kares führt der Weg steil und in Serpentinen, teils gesichert auf die “Durchgangscharte”. Danach wandert man auf schönen Almwegen bis zur Hofpürgelhütte.
Von dort folgt man dem Weg 01 weiter Richtung Norden bis zu einer Abzweigung im sogenannten “Kessel”. Man folgt dem linken Weg weiter nach Norden. Der anfangs noch gemächliche Weg wird rasch sehr steil und führt weiter oben auf gesicherten Felsen auf den Steiglpass. Von dort steigt man immer gemächlich dem Steiglweg folgend bis zum Vorderen Gosausee bergab (Weg Nr. 612)

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Höhenprofil
GPS-Track (Download mit rechter Maustaste “Ziel speichern unter…”)

Mandlkogel, 2279 m – Glatscherofenkogel, 2078 m – Südostwand

Glatscherofenkogel-Halleluja
Kriechband in der 5. Seillänge der Route “Halleluja” am Glatscherofenkogel.

Im Bereich der Stuhlalm findet man gute Klettereien in bestem Fels, die kürzlich erst saniert wurden. Nicht nur mit Kletterschuhen ist für jeden Geschmack etwas dabei, auch mit Wanderschuhen erreicht man stille Gipfel mit hervorragendem Ausblick – auf berühmte Nachbarn mit hektischem Betrieb.

10 Std. - 850 Hm
Talort:
Annaberg im Lammertal, 778 m
Anreise: Siehe hier.
Ausgangspunkt: Theodor-Körner-Hütte, 1458 m
Anforderungen: Markierter Almwanderweg und im Gebiet vom Mandlkogel schlecht markierter alpiner Steig mit Kletterstellen (UIAA I). Verbindung zwischen Glatscherofenkogel und Mandlkogel unschwierig, aber unmarkiert. Der Einstieg zur Kletterroute liegt direkt am markierten Aufstiegsweg zum Mandlkogel.
Kletterroute: Südostwand Glatscherofenkogel - “Halleluja” – Wandhöhe 220 m – 7 Seillängen. Meist IV-IV+, einige Stellen III und zu Beginn und im Ausstieg II. Sanierte Route in festem, plattigem Fels. Interessantes “Kriechband” in der 5. Seillänge. Eine der schönsten Touren im Bereich der Körner-Hütte. Für die exakte Routenbeschreibung und Übersicht der Kletterrouten ist der Kauf eines aktuellen Kletterführers empfohlen. Ingesamt 7 Seillängen.
Gehzeiten: Theodor-Körner-Hütte – Einstieg 1 1/2 Std. – Glatscherofenkogel 2 Std. – Mandlkogel 1 1/2 Std. – Theodor-Körner-Hütte 2 Std.
Stützpunkte: Theodor-Körner-Hütte, 1458 m; Stuhlalm, 1467 m.
Karten: ÖK 50 3217 UTM, AV Karte Bl. 14

Von der Theodor-Körner-Hütte halten wir uns am Austriaweg ostwärts und kommen noch im Bereich der Stuhlalm auf einen kleinen Sattel (Jagdhütte auf der rechten Seite - 10 Min.). Dort zweigt bei einem Wegkreuz ein schlecht markierter Almpfad Richtung Norden (links) ab und führt an einem Wasserschutzgebiet vorbei. Weiter über einen latschenbewaldeten Hang erreichen wir auf einer Höhe von ca. 1680 m eine Kreuzung wo ein schmaler und schlecht sichtbarer Pfad nach rechts abzweigt. Dieser führt leicht bergauf und –ab in die Angersteinrinne (schöner Klettergarten – Info auf der Theodor-Körner-Hütte). Dort überquert man ein Schuttfeld und gelangt unter den Südwestwänden des Glatscherofenkogels in die Gamsfeldklamm (leichte Kletterstelle – I). Steil folgt der Weg nun der Schuttrinne bergwärts. Im zweiten, oberen Wandabschnitt befindet sich der Einstieg auf der linken Seite (Haken).
Nach den 7 Seillängen in herrlichem Fels steht man schnell auf der flachen Gipfelkuppe des Glatscherofenkogels. Von dort folgt man dem Gipfelkamm nach Nordosten bis zu einem weiten und von spektakulären Karren durchzogenen Grashang. Im Bogen über der Gamsfeldklamm wandert man dann an der rechten Seite in leichtem Gelände bis zum pyramidenartigen Gipfelaufbau des Mandlkogels. Die letzten Meter werden in leichter Kletterei (I) in einer kleinen Rinne zurückgelegt (Steinmänner). Von dort gelangt man über ein schmales Band auf der rechten Seite zum Gipfel.
Nach der Gipfelrast und –stärkung erfolgt der Rückweg über den Normalweg. Dazu folgt man den wenigen, aber ausreichende Markierungen direkt über die Gamsfeldklamm abwärts, am Einstieg der Kletterroute vorbei, zurück auf den Boden der Stuhlalm.

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