
Russland. Georgien. Zwei ehemalige Bruderstaaten in der kommunistischen Sowjetunion stehen sich militärisch und politisch an einer überaus reizvollen Gebirgskette gegenüber. Die Rede ist vom Kaukasus, der – möge man geographisch, politisch, oder anderwertig darüber streiten – Europa von Asien trennt; so die durchgesetzte Anschauung unter BergsteigerInnen. Zumindest für “Seven Summiters”.
Was in Österreich oder in den Alpen generell unvorstellbar wäre, nicht nur dieser unglaublich hohe Vulkanberg sondern auch die Art und Weise des Touristentransportes, ist, in Stereotypen gedacht, russisch von hinten bis vorn. Es funktioniert zwar nicht immer alles einwandfrei, aber die rostigen Ungetümer dienten bereits zu Sowjetzeiten und werden dies vermutlich auch noch lange tun. Dort wo die höchste Station der Seilbahn/Sessellift-Kette steht, erfreuen die hässlich berühmten “Barrel Huts” das sonnenempfindliche Auge und wer nicht in den “komfortablen” und alten Ölfässern nächtigen will, der steige weiter bis zur “Prijut 11”. Habe ich steigen gesagt? Fahre mit dem Ratrac (a.k.a. Pistenbully) dorthin. Auf die paar Rubel kommt es im Urlaub ja nicht an, oder?
Am nächsten Tag beginnen wir den Aufstieg mit einer nächtlichen Ratracfahrt zu den “Pastukhova-Rocks”, 4800m. Wahnsinn. Mont Blanc lässt grüßen. Wäre es nicht so steil würden die Ratracs vermutlich auch noch auf den Gipfel fahren um das Seven-Summit-Erlebnis für die dicke Brieftasche zu ermöglichen. Die Ski-doos machen es bereits vor und brausen an den FussgeherInnen vorbei, ihnen den Schnee ins Gesicht blasend. Nun frage ich mich kurz selbst im nächtlichen Ringen mit zu wenig Sauerstoff: Bin ich nun Radfahrer auf der Wiener Ringstraße, oder in knapp 5000m Höhe auf einem exponierten Punkt im russischen Kaukasus? Bevor die Antwort kommt bin ich wieder in die Aufstiegsroutine verfallen: Steigen, Atmen, Staunen…
Der Kaukasus ist mitnichten nur der Elbrus alleine. Es gibt dutzende und aberdutzende interessante Berggestalten im Blickfeld vom höchsten Punkt Europas, die wesentlich kühner und interessanter in den blauen Himmel ragen, als der berühmte Vulkankegel. Ein Detail fehlt – die Höhe. Ich wage hier zu behaupten, dass sogar Namen wie Ullu-Tau, Shkhelda oder zumindest Ushba – um nur einige zu nennen – in den Köpfen von AlpenbergsteigerInnen Platz haben. Und diesen meist unberührten Gipfeln einen Besuch abzustatten und wahre Bergluft einzuatmen ist das eigentliche Erlebnis im Kaukasus, dem sich jeder Besucher hingeben sollte, auch wenn er oder gerade weil er nur wegen einem einzigen Gipfel so weit gereist ist.
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Great Gerald! I tried to understand your writing through translating sites. Thank you for your thoughts!
Maya, from Greece
schreiben kann er der Geraldinger!! Schöner bericht der einem beim lesen auf der zunge zergeht! Ach wie schön doch die berge sind.
Da kann ich nur mit Dir fühlen, sehr russisch war’s auf dem hohen Kegel!
Sehr feiner Bericht der Hunger auf mehr Kaukasus macht.