Als Mitglied alpiner Vereine ist man mittlerweile standardmäßig Freizeit-Unfall versichert. Was bedeutet das konkret im Ernstfall bzw. wo liegen in Österreich die Vorteile für Versicherungsnehmer, denn oftmals ist es schwierig an konkrete Informationen zu gelangen, was wirklich abgedeckt wird. Zwar haben OeAV und die Naturfreunde (an ihrer Mitgliederzahl gemessen die beiden größten Vereine in Österreich) gute und informative Folder, doch lässt so manche Formulierung offen wo der Versicherungsschutz endet. Schon alleine die Auskunft, dass teile der Leistungen nur in Europa und den an das Mittelmeer angrenzenden außereuropäischen Ländern gelten, wirft für mich die Frage auf wo Europa endet (Russland inklusive Kamtchatka?, Georgien? usw.) Deshalb empfiehlt es sich, vor allem bei Reisen ins Ausland und außeralpinen Unternehmungen mit den entsprechenden Hauptverbänden Kontakt aufzunehmen oder den Versicherungsanbieter direkt zu kontaktieren. Im Zuge der Information ist es auch wichtig die eigens angeführten Ausschlussgründe von Versicherungsleistungen zu studieren.
Aufgrund einer privat geplanten Unternehmung in den Kaukasus wollte ich bei beiden Verbänden mehr über den konkreten Versicherungsschutz erfahren und über die Übernahme der allfälligen Bergungs- und Rückholkosten, da die vorliegenden Flyer keine konkreten Aussagen zulassen und hiermit Handlungsbedarf entsteht. Doch auch eine scheinbar alltägliche Anfrage bei den betreffenden Stellen kann nicht immer rasch und zufriedenstellend beantwortet werden.
Bei den Naturfreunden wollte und konnte man mir bei der Stelle, welche Versicherungsfälle bearbeitet und an den Kooperationspartner – die Wiener Städtische – weiterleitet, keine konkreten Auskünfte geben und Verwies mich auf den Dienstleister selbst. Die Begründung lautetet, dass es sich bei den Naturfreunden bloß um einen Service im Rahmen der Mitgliedschaft handle und die genaue Festlegung der Bemessungen beim der Wiener Städtischen erfragt werden müsse. Weiterer Grund war, dass man für die Auskünfte keine Garantie auf Richtig- und Vollständigkeit geben wollte. In der Versicherung mit mehreren Stellen verbunden dauerte es – die Zeit an der Warteschleife miteingerechnet – gut eine halbe Stunde bis ich eine kompetente Person am Apparat hatte. Doch von ausführlicher Auskunft, war leider keine Spur.
Beim Alpenverein – vermutlich durch die enorme Mitgliederanzahl auch geschulten Umgang mit Versicherungsfällen – wählte ich die Nummer des eigens am Folder angeführten Sparkassen-Versicherungsdienstes. Dort gab man mir geduldig Auskunft und wusste neben ausführlicher Beantwortung meiner Anfragen auch noch Tipps zur Vorbereitung und zum Umgang im Versicherungsfall.
Der wichtigsten und zentralen Zahlen der Versicherungsleistungen im Vergleich (ohne Gewähr auf vollständige und richtige Angaben – Informationsstand 2009)*:
| alles in € und pro Person |
Alpenverein |
Naturfreunde |
| Versicherung |
Uniqa |
Wiener Städtische |
| Bergekosten, bis |
22.000 |
22.000 |
| Rückholkosten, bis |
ohne Obergrenze |
22.000 |
| **Haftpflichtvers., bis |
2.180.186 |
2.500.000 |
| **Rechtsschutzvers., bis |
32.703 |
- |
| Spitalskosten + Transport, bis |
7.500 |
- |
Arzt- u. ambulante Spitalskosten + Medikamente, bis |
1.500 |
- |
* zusätzliche Invaliditätsversicherungsabdeckung wurde nicht berücksichtigt.
** Haftpflicht- und Rechtsschutzversicherungsansprüche beziehen sich nur auf Ausübung von Vereinstätigkeiten (wie z.B. Führung von Gruppen).
Im Unglücks- bzw. Versicherungsfall ist es wichtig so schnell als möglich die betreffenden Rettungsorganisationen zu verständigen (auch aus dem Ausland) um eventuelle Rückholtransporte zu organisieren, da die Versicherung meist nur den Transport mit Vertragsorganisationen verrechnet. Hier empfiehlt sich die Mitnahme der im Vorhinein teilweise ausgefüllten Polizze mit Name, Alter, Adresse des Verletzten, Mitgliedsnummer. Vor Ort ist dann die Art und der Zeitpunkt der Verletzung auszufüllen, der Aufenthaltsort mit Anschrift und Telefonnummer, der Name, die Telefonnummer und die Verständigungssprache des behandelnden Arztes und die Angabe von Kontaktmöglichkeiten zu Angehörigen am Unfallort und in der Heimat. Besonderer Tipp: Auch die notwendigen Dokumente einer Vertrauensperson zuhause anvertrauen und Aufklärung über die Versicherung leisten, damit bei allfälligem Notruf von Angehörigen zuhause die richtigen Stellen informiert sind und eine Abdeckung gewährleistet ist und nicht missverständlich andere Organisationen mit der Rückholung beauftragt werden.
Nicht unwichtig erscheint mir auch die Auskunft über das notwendige Prozedere im Unglücksfall von der Einleitung der Bergungsmaßnahmen bis hin zum Krankenhaus- bzw. Rückholtransport. Auch hier Bedarf es genaueren Recherchen, damit eine Abdeckung der beanspruchten Leistungen gegeben ist. Die zu informierenden Stellen sind meist auf den Mitgliedskarten der Vereine angeführt.
Weitere Informationen bieten die Onlineportale wo man die Infofolder zum Download stehen und die Kontaktdetails zu den Servicestellen vermerkt sind:
Alpenverein
Naturfreunde
von
Gerald Radinger,
10. März 2009 in
Biwak, Sengsengebirge, Wandererlebnis Kalkalpen undÖAV-Hütten.
Tags: alpenverein, biwak, nationalpark kalkalpen, OÖ. Voralpen, Ostalpen, Sengsengebirge, sengsengebirgshöhenweg, uwe-anderle-biwak, Wandererlebnis Kalkalpen.

Uwe-Anderle-Biwak am Sengsengebirgskamm zwischen Hochsengs und Gamskogel
Eine ganz besonders beschauliche Biwakschachtel steht am Sengsengebirgskamm im Nationalpark Kalkalpen – das Uwe-Anderle-Biwak. Nach dem Initiator des Sengsengebirgshöhenweges benannt, ist es der einzige Zufluchtsort am Weg. Will man den Weg von Klaus in den Bodinggraben bestreiten, so ist man meist sehr exponiert unterwegs und die Fluchtmöglichkeiten halten sich bei der Legföhrenwucherung in Grenzen.
Gerade die Einsamkeit des Höhenweges und des Biwaks machen eine Tour über den Kamm in Kombination mit einer Übernachtung zum ganz besonderen Erlebnis. Ein Hüttenschlafsack und genügend Wasser dürfen nicht vergessen werden. Kochgeschirr und Gaskocher stehen im Biwak selbst bereit. Bezahlt wird entweder direkt per Einwurf in eine Kassa oder mittels Erlagschein, der ausgefüllt und ebenfalls eingeworfen wird. Die Preise sind mit 3 Euro für AV-Jugend, 5 Euro für AV-Mitglieder und 8 Euro für Nichtmitglieder äußerst moderat und für die Erhaltung dieses äußerst wichtigen Stützpunktes vorgesehen. Schäden am Biwak sind dem Hüttenwart zu melden (siehe Kontakt).
Anreise:
Mit den ÖBB zum Bahnhof Klaus an der Pyhrnbahn. Von dort über den Sengsengebirgshöhenweg zum Biwak.
Hüttenzustieg:
Klaus – Biwak 9 Std.
Hüttenverbindungen:
Polzhütte, 1370 m
Gipfel:
Hoher Nock, 1963 m
Hochsengs, 1838 m
Rohrauer Größtenberg, 1810 m
Schillereck, 1748 m
Gamskogel, 1710 m
Spering, 1605 m
GPS-Wegpunkt (Download mit rechter Maustaste “Ziel speichern unter…”)

Mehr Informationen: “Wandererlebnis Kalkalpen – Die 50 schönsten Touren im Nationalpark”. Alle Rechte, insbesondere das des auszugsweisen Abdrucks und das der fotomechanischen Wiedergabe, vorbehalten. Residenz Verlag 2009.

Am Sengsengebirgshöhenweg – Schillereck und Hochsengs gegen Osten
Die „Haute Route“ des Nationalparks
Mit der viel zitierten Bergeinsamkeit ist es oft weit her. Viele Menschen wissen um die Schönheit unserer Bergwelt. Ein wahrer Höhepunkt im Nationalpark ist daher die zweitägige Wanderung über entlegene Gipfel, durch unberührte Landschaft.
16 ¼ Std. – 2400 Hm
Talort: Klaus, 461 m; Molln, 442 m
Anreise: Siehe Tour 22 und Tour 27.
Ausgangspunkt: Gh. Seeblick, 465 m
Zielpunkt: Jagahäusl, 640 m; Bodinggraben
Anforderungen: Sehr lange, fast hochalpine Unternehmung, die Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sowie gute Kondition erfordert. Eine Stelle ist versichert. Da bei Wetterstürzen nur wenige Fluchtmöglichkeiten ins Tal vorliegen, nur bei günstigen Verhältnissen ratsam. Keine Wasserstelle!
Gehzeiten: Parkplatz–Spering 4 Std.–Funkstation 1 Std.–Schillereck 1 ½ Std.-Hochsengs 1 ½ Std.–Uwe-Anderle-Biwak 1 Std.–Gamskogel ½ Std.–Rohrauer Größtenberg 1 ½ Std.–Hoher Nock 2 ½ Std.–Polzhütte 1 Std.–Blumauer Alm 1 Std.–Bodinggraben ¾ Std.
Stützpunkte: Gh. Seeblick, 465 m; Polzhütte, 1370 m; Feichtauhütte, 1360 m; Jagahäusl, 640 m, Uwe-Anderle-Biwak, 1583 m.
Karten: f&b WK 051, WK 081; ÖK50 Bl. 68, 69 BMN, 4201,
4207, 4208 UTM |
 |
Sepp Huber, der Erschließer des Toten Gebirges, merkte in seinem 1927 erschienenen Führer an, dass die Kammwanderung vom Spering zum Hohen Nock „landschaftlich sehr abwechslungsreich und schön“, das Durchkommen aufgrund der Überwucherung durch Legföhren jedoch sehr mühsam sei. Bereits damals hatte das Forstamt Molln die Bewilligung erteilt, eine Gasse durch die Latschen zu schlagen, doch erst 1976 wurde die Steiganlage des Höhenweges durch die AV-Sektion Molln, und allen voran durch ihr Mitglied Uwe Anderle, fertig gestellt. Das nach diesem benannte Biwak in der Südostflanke des Hochsengs ist der einzige Stützpunkt am wasserlosen Kamm. Der Anstieg zum Spering und weiter zur Funkstation ist bei Tour 22 ausführlich beschrieben. Vom Sattel östlich des Sperings führt der Steig auf der Südseite und dann am Kamm durch Latschen unschwierig auf die Gipfelkuppe des Schillerecks. Der Weg führt nach Osten abwärts und über einen breiten, latschenbewachsenen Rücken auf den Hochsengs. Der Namensgeber des Sengsengebirges ist der vierthöchste Gipfel und wegen der 600 m steil abstürzenden Nordwand wohl auch der wildeste. Vom Gipfelkreuz geht es kurz abwärts in den plattigen Wandschuss der Südostwand. Eine mit Drahtseilen entschärfte, ausgesetzte Querung muss trittsicher überwunden werden. Wenig später erreichen wir das Biwak am Sattel und damit das Ende der ersten Tagesetappe. Sechs bis zehn Personen finden im hölzernen Biwak Platz, das ganzjährig für Bergwanderer offen steht. Auf der gemütlichen „Hausbank“ lassen wir den Tag bei einer kräftigenden Jause ausklingen. Mit dem Aufstieg zum Gamskogel beginnt der nächste Tag recht gemütlich. Der Gipfel ist schnell erreicht, und der Blick zurück erinnert uns noch einmal an die am Vortag überwundene Schlüsselstelle. Vom Gamskogel erneut bergab, zeigt sich der Grat nun etwas schroffer. 1200 m unter uns liegt die seltsam gegliederte Wiese des Truppenübungsplatzes. Vom Gipfel des Rohrauer Größtenbergs geht es über schwierigere Felsstufen (Trittsicherheit) tief hinab in den Rottalsattel. Über eine Karstmulde und später über Wiesen zieht der Weg zum Gipfel des Hohen Nocks. Hier, zwischen Schneeberg und Nock, zeigt sich das Sengsengebirge als karges, von Dolinen zerfurchtes Hochplateau. Erfreut über den letzten Gipfelanstieg des langen Höhenwegs, beginnen wir den Abstieg über die Nordseite zur Polzhütte auf der Feichtau (siehe Tour 24). Weiter über die Blumauer Alm, wie bei Tour 27 ausführlich beschrieben, erreichen wir das Ziel der langen Tour, den Bodinggraben. Natürlich kann auch über die Südseite ins Rettenbachtal abgestiegen werden (siehe dazu Tour 31).


Auszug aus dem Wanderbuch: “Wandererlebnis Kalkalpen – Die 50 schönsten Touren im Nationalpark”. Alle Rechte, insbesondere das des auszugsweisen Abdrucks und das der fotomechanischen Wiedergabe, vorbehalten. Residenz Verlag 2009.
Vorab zur Erscheinung des Wanderbuches Wandererlebnis Kalkalpen stelle ich eine meiner Lieblingstouren des Gebietes zur Verfügung. In Zukunft werden zusätzliche Informationen und Tipps, welche das Buch betreffen hier veröffentlicht werden.
Ich freue mich auf viele zufriedene Leserinnen und Leser und freue mich auf Ihren Besuch auf hochtourist.at und im Nationalpark Kalkalpen.
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